Die Absicht hinter dieser Aktion finde ich begrüßenswert, nicht allerdings die Radikalität der Umsetzung.Es ist sinnvoll, Kindern zu vermitteln, dass Fleisch nicht in der Kühltruhe wächst und auch nicht einfach glückliche Tiere aus idyllischer Umgebung freiwillig in der Packung hüpfen, wie es die Werbung suggeriert.

Die konkrete Umsetzung dieses Vorhabens halte ich allerdings für vollkommen unvertretbar, und zwar aus mehreren Gründen:
Zum einen gehört gerade Kaninchenfleisch sicherlich nicht zu den Fleischsorten, die besonders häufig (wenn überhaupt) auf dem Speisezettel von 10jährigen Kindern stehen. Dafür gehören sie aber zu den in dieser Altersgruppe am häufigsten gehaltenen Haustieren. Die schon mehrfach genannten Alternativen Fisch oder Huhn wären deutlich passender gewesen. Hinzu kommt die Art und Weise der Durchführung: Die Kinder erst das Kaninchen noch streicheln und sich von ihm verabschieden zu lassen ist in der Tat Psychoterror der härtesten Sorte. Auch ich gehöre zu den Leuten hier, die auf einem Bauernhof aufgewachsen sind, und daher schon als Kinder gelernt haben, dass nun einmal Tiere geschlachtet werden müssen, wenn man Fleisch essen will (darunter auch hin und wieder Hasen) und dass sich Maus und Katze nicht gegenseitig mit Bratpfannen verprügeln, sondern die Katze die Maus tötet und frisst. Aber, und das ist der entscheidende Unterschied: Es wurde stets darauf geachtet, dass wir als Kinder auch zu unterscheiden lernten, dass die für die Schlachtung vorgesehenen Stallhasen, Schweine, Hühner oder Kälbchen eben keine niedlichen Kuscheltiere sind und die Kinder emotionale Beziehungen eben wirklich nur zu ihren eigenen Haustieren entwickeln. Von daher war des Kaninchens als Demonstrationsobjekt sowie die vorherige Streichelaktion mehr als nur daneben und ich kann mir gut vorstellen, was das bei einem 10jährigen anrichten kann, der zu Hause sein eigenes Kuschelkaninchen als Haustier sitzen hat.
Ich habe hier auch mehrfach Beiträge gelesen, die den Eindruck erwecken, für Bauernhofkinder sei Schlachtung, Leben und Tod von Tieren so selbstverständlich, dass sie schon in jungen Jahren völlig abgebrüht sind. Das kann ich aufgrund der Erfahrungen meiner eigenen Kindheit nicht bestätigen. Da gab es mehrere Fälle, in denen trotz aller gegenteiligen Bemühungen der Bauern ein Kind auf dem Hof sich doch so stark in ein Tier "verguckt" hat, dass selbigem der Weg in den Schlachthof erspart blieb. Auch Landwirte selbst sind nicht gefeit vor der Unterscheidung zwischen "Stückvieh" und "Haus- und Hoftier". Auch ein Bauer, der ständig Vieh zur Schlachtung mästet, lässt trotzdem nichts unversucht, einen in eine Maschine oder unter die Sense geratenen Kater oder Hund, der seit Jahren vor dem Ofen liegt, wieder zusammenflicken zu lassen, statt ihm einfach den Gnadenschuss zu geben.